Der Maurerische Weg

Diesen Text einer erfahrenen Freimaurerin ergänzen die Seiten „Humanität: Das zentrale Wort der Freimaurer“ http://fmconfidentia.de/?p=159 und „Anfragen einer Suchenden: Bitte mehr Klarheit!“ (in Arbeit).

Aus: Helga Widmann, 2014. Lebenswert. Frei denken, gemeinsam suchen, verantwortlich handeln, S. 26f

Neue Mitglieder werden der Loge vorwiegend über persönliche Kontakte, Informations- texte in digitaler oder gedruckter Form und über Gästeabende zugeführt.
Letztere bieten Gelegenheit, sich allgemein über Freimaurerei zu informieren, Fragen zu stellen und sich im Gespräch näher kennen zu lernen.

Wer ein Aufnahmegesuch an eine Loge stellt, verpflichtet sich, eine Haltung zu entwickeln, die den Ideen eines humanen Lebens entspricht. Mit dem Entschluss, Freimaurer/in zu werden, wird seitens der Suchenden, wie die an der Freimaurerei Interessierten genannt werden, die Bereitschaft kundgetan, ihr Leben in den Dienst der Humanität zu stellen.

Dieser Entschluss sollte nicht ohne ausreichende Vorbereitung erfolgen. Auch wenn die Aussicht auf geistige Bereicherung und Erweiterung verlockend ist, darf man sich nicht der Illusionen hingeben, diese allein durch die Mitgliedschaft zu „erhalten“. Der freimaurerische Weg ist kein „Produkt“, das man in einer Loge ‚erwerben‘ kann. Vielmehr gilt es, eigene Kraft und Zeit zu investieren, Ausdauer und Geduld aufzubringen sowie Interesse an Veränderung von sich selbst und zugunsten der Welt zu verspüren.

Suchende sollten sich ebenso im Klaren darüber sein, dass sie in der Freimaurerei keiner Lehre folgen können, die ihnen den Weg weist. Die Arbeit in der Loge ist auch nicht sinnvoll ohne den Bezug auf die konkrete Lebenspraxis. Sie geht aus ihr hervor und wirkt wieder in sie hinein. Genauso wie die Logenarbeit als symbolische Arbeit am Bau nur dann zu einer erlebbaren Wirklichkeit wird, wenn es Menschen gibt, die diese rituell herstellen, so wird umgekehrt die freimaurerische Arbeit nur dann wirksam, wenn diese Menschen wiederum im praktischen Leben, auch in ihren ureigenen Lebenszusammenhängen, für eine Konkretisierung des Ideals sorgen. Im Vergleich zu vielen anderen humanitären Gesellschaften reicht der freimaurerische Ansatz damit weit über „tätige Hilfe“ (wie z.B. Spenden u.a.m.) hinaus.

Die Loge wird sowieso nur in seltenen Fällen als Gruppe aktiv. Hätte sie ein konkretes Programm, würden sich die Menschen diesem einfach anschließen können. Genau das will Freimaurerei nicht, denn ihr Zweck ist die Stärkung des Individuums und seiner Fähigkeit, Ideale wie Gleichwertigkeit, Freiheit und soziale Verantwortung als handelnder Mensch in den Pflichten des Alltags zu verwirklichen. Das kann in der Beziehung zu einzelnen Menschen im privaten Umfeld stattfinden, aber auch in Form von Mitwirkung an der Gestaltung von Bildung, Wohngemeinschaft, Arbeit, Gemeinde, Ausbildung, Wirtschaft, Versorgung, Transport, u.v.a.m..

Es kennzeichnet die Freimaurerei, dass sie eben nicht fertige Konzepte liefert. Sie will die Menschen vorrangig dazu befähigen, sich die Voraussetzungen dafür zu erwerben, in den Situationen ihres Lebens ethisch handeln und einen sinnvollen Beitrag zur Verbesserung der gesellschaftlichen Strukturen leisten zu können. Dafür steht das Bild des ,Baumeisters‘, der seine Entwürfe am Reißbrett zeichnet. Er hat sein Handwerk gelernt, kennt die Maßstäbe, entwirft und prüft, verwirft und konstruiert neu, wenn es sein muss. Weil diese Arbeit von Situation zu Situation im Leben immer wieder neu geleistet werden muss, ist und bleibt freimaurerische Arbeit zeitübergreifend aktuell.